Marketing & Sichtbarkeit

Cookieless Tracking 2026: Warum wir auf Umami setzen

Marketing & Sichtbarkeit: Cookieless Tracking 2026: Warum wir auf Umami setzen

Dieser Beitrag hat eine Vorgeschichte. 2020 verglichen wir im alten arocom-Blog die damals gängigen Webtracking-Tools, von Adobe Analytics bis Google Analytics. Der Artikel wurde sechs Jahre lang gut gelesen. Inzwischen ist seine Grundannahme gekippt: dass Tracking eben Cookies setzt und ein Consent-Banner dazugehört.

Heute gilt das Gegenteil. Die besten Daten liefert, wer auf Cookies und langlebige Nutzerprofile verzichtet. Warum das so ist und welches Tool zu welchem Unternehmen passt, zeigt dieser Vergleich.

Warum cookieloses Tracking bessere Daten liefert

Das klingt zunächst paradox. Weniger Daten erheben und trotzdem mehr wissen? Die Rechnung geht so: Cookie-basierte Tools messen nur Besucher, die im Consent-Banner zustimmen. In unseren Projekten lehnen je nach Branche 30 bis 60 Prozent der Besucher ab. Eure Statistik zeigt dann weniger als die Hälfte der Realität, und zwar verzerrt: Technikaffine Nutzer lehnen häufiger ab.

Cookielose Tools erfassen dagegen jeden Besuch, weil sie nichts im Browser speichern. Keine Cookies, keine IP-Speicherung, keine Profile über Monate. Umami erkennt Besucher nur an einer Kennung, die es aus IP-Adresse und Browserkennung bildet und spätestens zum Monatswechsel neu berechnet. Das ist pseudonym, nicht anonym: Die DSGVO gilt weiter, und die Datenschutzerklärung muss es so sagen. Ein Consent-Banner braucht die Analyse in der gängigen Praxis trotzdem nicht, und die Zahlen bilden wieder alle Besucher ab.

Der Preis: Ihr verliert Funktionen wie nutzergenaue Journeys über Monate hinweg oder Remarketing-Listen. Ob ihr die je genutzt habt, ist die ehrliche Gegenfrage.

Die Tools im Vergleich: GA4, Matomo, etracker, Umami

GA4MatomoetrackerUmami
Cookielos möglicheingeschränktja (konfigurierbar)jaja (immer)
Consent-Banner nötigjaje nach Setupnein (Standard-Setup)nein (gängige Praxis)
HostingGoogle-Cloud (US)selbst oder Cloud (EU)Deutschlandselbst oder Cloud
Kostenkostenlos (Daten als Preis)ab 0 € (self-hosted)ab ca. 19 €/Monatab 0 € (self-hosted)
ZielgruppeMarketing-Teams im Google-ÖkosystemDatenhoheit + FunktionstiefeShops, DSGVO-Fokusklare KPIs ohne Ballast
Komplexitäthochmittelmittelniedrig

Die Enterprise-Klasse (Adobe Analytics, Piano Analytics) haben wir bewusst ausgeklammert. Wer Attribution über zehn Kanäle und KI-gestützte Prognosen braucht und ein entsprechendes Budget hat, ist dort weiterhin richtig. Für die meisten mittelständischen Corporate Websites ist das Overkill.

Warum wir uns für Umami entschieden haben

Unsere eigene Website läuft seit dem Relaunch mit selbst gehostetem Umami. Drei Gründe gaben den Ausschlag:

Erstens die Banner-Frage. Ohne Tracking-Consent braucht unsere Website kein Analyse-Banner. Das verbessert die Nutzererfahrung und die Datenbasis zugleich.

Zweitens die Datenhoheit. Umami läuft auf unserem eigenen Server in Deutschland. Es gibt keinen Drittanbieter, der unsere Besucherdaten zu eigenen Zwecken verarbeitet.

Drittens der Fokus. Umami beantwortet die Fragen, die in Geschäftsführungs-Reports tatsächlich vorkommen: Wie viele Besucher, aus welchen Quellen, welche Inhalte funktionieren, wie viele Kontaktanfragen. Events und Funnels decken auch Conversion-Strecken ab. Was fehlt, haben wir in zwei Jahren nicht vermisst.

Als Beobachtung aus Kundenprojekten: Der häufigste Einwand gegen den Wechsel ist nicht funktional, sondern Gewohnheit. GA4-Dashboards sind vertraut, auch wenn kaum jemand mehr als vier Berichte nutzt.

Umami-Dashboard mit Besuchern, Seitenaufrufen, Absprungrate und Verweildauer
Das Umami-Dashboard der offiziellen Demo: die KPIs, die in Reports tatsächlich vorkommen. (Quelle: öffentliche Umami-Demo, umami.is)

Der Screenshot zeigt, was ihr nach dem Login seht. Vier Kennzahlen stehen im Kopf des Dashboards: Besucher, Seitenaufrufe, Absprungrate und Besuchsdauer, jeweils mit Vergleich zum Vorzeitraum. Darunter liegen der Zeitverlauf und die meistbesuchten Seiten.

Für ein Monatsreporting reicht in der Praxis genau diese eine Ansicht. Sie beantwortet die Standardfragen der Geschäftsführung in einer Minute: Entwickeln sich die Besucherzahlen nach oben? Welche Inhalte ziehen? Bleiben die Besucher oder springen sie ab?

Was ihr hier nicht seht: Sampling-Hinweise, Schwellenwerte oder modellierte Schätzwerte für Besucher ohne Consent. Die Zahlen sind vollständig, weil kein Banner dazwischensteht. In Kundenterminen ist das erfahrungsgemäß der Moment, in dem die Diskussion über Datenqualität endet.

Die Quellen-Ansicht: woher eure Besucher kommen

Die zweite Ansicht, die in Reports tatsächlich vorkommt, ist die Quellen-Liste. Sie führt jeden Referrer einzeln auf: Google, Bing, LinkedIn, verlinkende Fachportale. Seit gut zwei Jahren stehen dort auch KI-Systeme. In unserer eigenen Instanz und in Kundenprojekten beobachten wir chatgpt.com inzwischen regelmäßig unter den wichtigsten Quellen.

Umami-Quellenansicht mit Referrern, darunter google.com und chatgpt.com
Die Quellen-Ansicht zeigt Referrer einzeln, auch KI-Systeme wie chatgpt.com tauchen hier auf. (Quelle: öffentliche Umami-Demo)

Für Entscheider ist diese Liste die Antwort auf eine Budgetfrage: Welche Kanäle bringen tatsächlich Besucher, und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Wenn LinkedIn-Aktivitäten viel Arbeitszeit kosten, aber kaum Besuche liefern, steht das hier schwarz auf weiß.

Kampagnen verfolgt ihr über UTM-Parameter, die Umami automatisch auswertet. Ein Newsletter-Link mit utm_source und utm_campaign erscheint sauber getrennt vom organischen Traffic. Wie ihr aus den KI-Referrern ein eigenes Segment baut und die Zahlen interpretiert, beschreibt unser Beitrag zu KI-Referrals Schritt für Schritt.

Was ihr beim Wechsel verliert

Ehrlichkeit gehört in jeden Tool-Vergleich, deshalb hier die Verlustseite. Erstens die Kampagnen-Attribution: Umami ordnet eine Conversion der jeweiligen Quelle des Besuchs zu. Wer Budgets über mehrere bezahlte Kanäle steuert und wissen will, welcher Erstkontakt eine Anfrage drei Wochen später ausgelöst hat, bekommt diese Antwort hier nicht.

Zweitens die demografischen Daten. Alter, Geschlecht und Interessenkategorien fallen weg. Das schmerzt weniger, als es klingt: Diese Werte stammten in GA4 aus Googles Werbeprofilen und waren modelliert statt gemessen. Für B2B-Entscheidungen waren sie nach unserer Erfahrung selten handlungsleitend.

Drittens nutzergenaue Langzeit-Journeys und Remarketing-Listen. Weil sich die Besucherkennung spätestens zum Monatswechsel ändert, gibt es keine Wiedererkennung über Monate und keinen Export an Werbeplattformen.

Unsere Faustregel aus Projekten: Wer einen großen Teil des Marketingbudgets in bezahlte Kanäle steckt und die Multi-Channel-Attribution wirklich nutzt, sollte vor dem Wechsel genau rechnen. Für die typische mittelständische Corporate Website ist die Verlustliste verschmerzbar.

Events und Funnels: Conversions ohne Cookies messen

Besucherzahlen allein rechtfertigen kein Marketingbudget. Die eigentliche Frage lautet, was die Besucher tun. Dafür bietet Umami Events und Funnels, beides ohne Cookies.

Ein Event ist eine zählbare Handlung. Drei Beispiele, die wir auf B2B-Websites standardmäßig anlegen:

1. Kontaktformular gesendet. Das härteste Signal; in Umami genügt dafür ein Daten-Attribut am Absenden-Button. 2. Whitepaper oder Leitfaden heruntergeladen. Ein Frühindikator: Wer ein PDF zieht, recherchiert ernsthaft. 3. Telefonnummer angeklickt. Auf Mobilgeräten oft die häufigste Conversion und in vielen Statistiken trotzdem unsichtbar.

Funnels verketten solche Schritte. Ein typischer Trichter: Leistungsseite, Referenzprojekt, Kontaktformular geöffnet, Formular gesendet. Umami zeigt, wie viele Besucher an jeder Stufe aussteigen. Wenn 80 Prozent zwischen Öffnen und Absenden verloren gehen, liegt das Problem im Formular und nicht im Traffic.

Ein Praxistipp zur Disziplin: Legt höchstens fünf bis acht Events an und benennt sie nach einem festen Schema, etwa kontakt-formular-gesendet statt Event17. In Projekten sehen wir regelmäßig GA4-Setups mit dutzenden Events, von denen niemand mehr weiß, was sie messen. Der Werkzeugwechsel ist die beste Gelegenheit für diesen Frühjahrsputz.

Datenschutz-Einordnung: cookielos heißt nicht regelfrei

Ein verbreitetes Missverständnis lautet: ohne Cookies keine Pflichten. So einfach ist es nicht. Wichtig vorab: Wir sind keine Rechtsberater, die folgenden Punkte ersetzen keine juristische Prüfung.

Die Datenschutzerklärung bleibt Pflicht. Auch cookielose Webanalyse verarbeitet personenbezogene Daten: Die Besucherkennung aus IP-Adresse und Browserkennung ist pseudonym, nicht anonym. In die Datenschutzerklärung gehören deshalb das eingesetzte Tool, der Zweck, die Rechtsgrundlage (meist das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO), die Kennung und wie lange sie gilt, die erfassten Ereignisse, der Speicherort und wie Besucher widersprechen können. Umami beachtet die Browser-Einstellung "Do Not Track", wenn ihr das im Skript einschaltet. Das ist der einfachste Widerspruchsweg.

Beim Consent-Banner geht es um Paragraf 25 TDDDG, vielen noch als TTDSG bekannt: Einwilligung braucht, wer Informationen auf dem Endgerät speichert oder ausliest. Umami speichert nichts. Es liest aber etwas aus: Das Skript fragt Bildschirmauflösung und Browsersprache ab und schickt beides mit. Die Datenschutzkonferenz der Aufsichtsbehörden wertet es in ihrer Orientierungshilfe für digitale Dienste als Zugriff, wenn ein Skript Eigenschaften des Endgeräts ausliest und an einen Server überträgt. Der Branchenverband Bitkom hält dagegen, dass solche Werte ohnehin für die Darstellung der Seite gebraucht werden. Eine höchstrichterliche Entscheidung speziell dazu kennen wir nicht. Wir setzen Umami ohne Banner ein, wie es in der Praxis verbreitet ist, und kennen dieses Restrisiko. Lasst euer konkretes Setup im Zweifel prüfen.

Selbst gehostet bleibt die Datenhoheit komplett im Haus. Bei der Cloud-Variante kommt ein Auftragsverarbeitungsvertrag dazu, mehr dazu in den FAQ am Ende.

Ist Umami wirklich ohne Consent-Banner erlaubt?

Für die reine Analyse mit Umami in der Standardkonfiguration braucht ihr nach unserer Einschätzung kein Banner: Umami setzt keine Cookies, speichert nichts im Browser, und die Analyse lässt sich auf das berechtigte Interesse stützen. Das ist die in der Branche verbreitete Lesart, aber kein Rechtsrat. Eine Grauzone bleibt, weil das Skript Bildschirmauflösung und Browsersprache ausliest und die Aufsichtsbehörden solches Auslesen als Zugriff nach § 25 TDDDG werten. Setzt ihr daneben weitere Dienste ein, etwa Werbe-Pixel oder eingebettete Videos, kann ein Banner aus anderen Gründen nötig bleiben.

Was passiert mit den historischen GA4-Daten?

Sie bleiben in GA4 erhalten, solange das Property besteht, lassen sich aber nicht nach Umami importieren. Unsere Empfehlung: Exportiert die wichtigsten Jahresberichte als Tabellen, bevor ihr das Property stilllegt, und akzeptiert einen Schnitt in der Zeitreihe. Wegen des Consent-Verlusts waren die alten Zahlen ohnehin nicht mit den neuen vergleichbar.

Brauchen wir einen AVV?

Beim Self-Hosting auf eigener Infrastruktur nicht, denn es gibt keinen externen Auftragsverarbeiter; den Vertrag mit dem Hoster des Servers habt ihr in der Regel schon. Bei Umami Cloud oder beim Betrieb durch eine Agentur gehört ein Auftragsverarbeitungsvertrag dazu. Das ist Standardpapierkram und kein Projektrisiko.

Funktioniert Umami mit Drupal?

Ja. Umami wird über ein einzelnes Script eingebunden, das in jedes CMS passt; für Drupal gibt es zusätzlich ein fertiges Modul. Events ergänzt ihr über Daten-Attribute direkt in Templates oder Komponenten. Kuriosum am Rande: Die offizielle Drupal-Demo heißt ebenfalls Umami. Beide haben nichts miteinander zu tun.

Der Wechsel in der Praxis: drei Schritte

1. Parallelbetrieb (1 bis 2 Monate). Neues Tool zusätzlich zum alten einbinden und Zahlen vergleichen. Erwartet deutlich höhere Besucherzahlen im cookielosen Tool; das ist der Consent-Verlust, der vorher unsichtbar war. 2. KPIs und Events definieren. Conversion-Ziele (Formulare, Anrufe, Downloads) als Events anlegen. Das ist die Gelegenheit, Alt-Metriken zu streichen, die niemand liest. 3. Altes Tool abschalten und Datenschutzerklärung aktualisieren. Sie beschreibt die Besucherkennung, die erfassten Ereignisse und den Widerspruchsweg. Erst danach das Consent-Banner anpassen oder entfernen.

Aufwand in unseren Projekten: wenige Personentage, abhängig von der Zahl der Events. Wenn ihr wissen wollt, ob sich der Wechsel für eure Website rechnet, schauen wir uns euer aktuelles Setup im Rahmen des Zukunfts-Checks an.

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